Girokonto überzogen, was tun?

Nähert sich der Kontostand zum Ende des Monats gegen Null, nehmen viele Verbraucher ihren Dispokredit in Anspruch. Dieser bietet eine unkomplizierte Möglichkeit, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Die Betonung liegt dabei klar auf kurzfristig. Denn auf Dauer ist der Dispo eine sehr kostspielige Angelegenheit und kann so schnell zur Schuldenfalle werden. Wer sein Girokonto über einen längeren Zeitraum im Minus führt, sollte sich Gedanken über mögliche Alternativen machen wie z.B. einer Umschuldung in einen Ratenkredit.

Was ist ein Dispokredit?

Beim Dispokredit räumt die Bank dem Kontoinhaber eine bestimmte Kreditlinie ein, welche dieser individuell in Anspruch nehmen kann. Somit können Überweisungen und Abhebungen vorgenommen werden, auch wenn kein Guthaben mehr vorhanden ist. Je nach Bank wird der Dispokredit automatisch nach den ersten Gehaltseingängen oder erst auf Anfrage des Kunden eingerichtet. Für die Einrichtung des Kreditrahmens fallen noch keine Kosten an. Zinsen werden nur für den Zeitraum berechnet, in welchem sich das Konto auch tatsächlich im Minus befindet. Die Rückführung des Dispokredits erfolgt flexibel. Feste Raten sind dabei nicht vorgesehen.

Voraussetzungen für einen Dispokredit

Um einen Dispokredit zu erhalten muss der Kontoinhaber volljährig sein und einen deutschen Wohnsitz haben. Zudem ist eine ausreichende Bonität erforderlich. Hierzu gehört neben einem ausreichenden regelmäßigen Einkommen auch eine einwandfreie Schufa-Auskunft. Sind die Voraussetzungen erfüllt, richtet sich die Höhe des Kreditrahmens nach den monatlichen Einnahmen und Ausgaben.

Die meisten Banken stellen zwischen zwei und drei Monatsgehälter als Dispositionskredit bereit.

Dispokredit als finanzielle Notlösung sinnvoll

Es ist durchaus ratsam, sich einen kleineren Dispositionsrahmen von etwa 500 Euro einrichten zu lassen, auch wenn dieser zunächst nicht benötigt wird. Es kann immer mal passieren, dass sich Abbuchungen überschneiden und dadurch keine ausreichende Kontodeckung vorhanden ist. Die Gebühren für einen geplatzten Lastschrifteinzug sind zumeist deutlich höher als ein kurzfristig in Anspruch genommener Dispo.

Für größere Anschaffungen oder eine längere Nutzung ist der Dispokredit aufgrund seiner zumeist sehr hohen Kosten dagegen nicht geeignet. Stiftung Warentest hat bei ihrem letzten Test einen Durchschnittszins von 10,25 Prozent ermittelt. In der Ausgabe 9/2015 hatte die Zeitschrift Finanztest Konditionen von insgesamt 1.475 Banken miteinander verglichen. Bei den teuersten Anbietern wurde für den Dispokredit ein effektiver Jahreszins von bis zu 16 Prozent berechnet. Zudem kritisierte Finanztest bei vielen Banken eine mangelnde Transparenz. So informieren Geldinstitute oftmals nicht über die Höhe der aktuellen Dispozinsen.

Zu beachten ist, dass der Zinssatz beim Dispokredit variabel ist. Dieser kann durch die Bank also jederzeit geändert werden. Kunden werden hierüber zumeist mit einem Hinweis auf dem Kontoauszug informiert. Die Zinsen werden zu bestimmten Abrechnungszeitpunkten auf dem Girokonto belastet. Je nach Bank erfolgt die Abbuchung monats- oder quartalsweise. Sofern die Zinsen nicht zurückgezahlt werden, entsteht ein Zinseszinseffekt im negativen Sinne. Die zuvor belasteten Zinsen werden bei der nächsten Berechnung ebenfalls berücksichtigt.

Unterschied zwischen Dispo- und Überziehungszinsen

Die Begriffe Dispokredit und Kontoüberziehung werden oftmals fälschlicherweise synonym verwendet. Dabei gibt es zwischen Dispo- und Überziehungszinsen teilweise deutliche Unterschiede. Überziehungszinsen werden für von der Bank geduldete jedoch nicht genehmigte Kontoüberziehungen berechnet. Während einige Banken auf die Berechnung von erhöhten Überziehungszinsen verzichten liegen diese bei anderen um bis zu 5,5 Prozent über den Dispozinsen. Wer sein Konto gelegentlich im Minus führt, sollte also in jedem Fall einen Dispokredit beantragen.

Wo gibt es einen günstigen Dispokredit?

Die Stiftung Warentest führt regelmäßig einen Vergleich der aktuellen Dispozinsen durch. Bei den überregional tätigen Banken war die Deutsche Skatbank mit einem effektiven Jahreszins von 4,49 Prozent bei ihrem Trumpfkonto am günstigsten. Auf den weiteren Plätzen lagen Augsburger Aktienbank (5,05 Prozent) und Fidor Bank (6,0 Prozent).

Was die bekannten Direktbanken betrifft, konnten DAB BankDKB und  ING-Diba mit einem vergleichsweise günstigen Zinssatz von 7,50 Prozent punkten. Mit einem Zinssatz zwischen 7,95 und 10,95 Prozent ist die Deutsche Bank da schon um einiges teurer. Bei der Targobank wurden zum Testzeitraum Dispozinsen von bis zu 12,75 Prozent berechnet. Wer seinen Dispokredit regelmäßig in Anspruch nimmt, sollte diesen Punkt bei einem Girokonto Vergleich immer mit einbeziehen.

Wenn der Dispo gekündigt wird

Ein weiteres Problem beim Dispokredit ist, dass dieser jederzeit durch die Bank gekündigt werden kann. Zu einer Kündigung kann es beispielsweise kommen, wenn sowohl der Dispo wie auch eine darüber hinausgehende Überziehung komplett ausgereizt wurde. Gleiches gilt auch wenn plötzlich kein Gehalt mehr eingeht bzw. die eingehenden Zahlungen geringer ausfallen. Der Eingang einer Kontopfändung führt in der Regel ebenfalls zu einer sofortigen Kündigung des Dispos. Einzige Ausnahme: das P-Konto.

Im Zuge der Kündigung wird der Kontoinhaber aufgefordert, das Minus innerhalb einer bestimmten Frist auszugleichen. Das es in diesem Fall kaum rechtliche Möglichkeiten gibt, sollten Kunden das Gespräch mit ihrem Bankberater suchen. Die Banken sind natürlich darauf aus, dass der offene Betrag zurückgeführt wird, sodass sich in den meisten Fällen eine gütliche Vereinbarung treffen lässt. Eine Möglichkeit ist es den Dispo in einen Ratenkredit umzuschulden.

Dispokredit und Schufa

Bevor die Bank einen Dispokredit genehmigt, wird immer eine Abfrage bei der Schufa durchgeführt. Liegen hier negative Einträge vor, erfolgt in aller Regel eine Ablehnung. Das Girokonto selbst wird ebenso wie der Dispo an die Schufa gemeldet. Ob dieser jedoch auch tatsächlich in Anspruch genommen, wirkt sich jedoch nicht negativ aus. Solange der Dispokredit also im vorgesehenen Rahmen genutzt wird ist alles in Ordnung.

Anders sieht es aus, wenn der Dispo überzogen und anschließend gekündigt wird. Die Kündigung führt zwangsläufig zu einem negativen Eintrag. Bei der Eröffnung des Girokontos zeigen sich Kunden damit einverstanden, dass diese Daten an die Schufa gemeldet werden dürfen. Ein solcher Negativeintrag macht es fast unmöglich, die offenen Forderungen mit einem Ratenkredit auszugleichen. Deshalb sollten Kontoinhaber sich immer frühzeitig um eine Umschuldung kümmern.

Alternativen zum Dispokredit

Kann der Dispo auf absehbare Zeit nicht zurückgeführt werden ist die Umschuldung auf einen Ratenkredit die erste Wahl. Kreditnehmer profitieren hierbei von festen Laufzeiten, einem fixen Zinssatz sowie gleichbleibenden moderaten Monatsraten. Im Vergleich zum Dispokredit ist die Zinsbelastung deutlich geringer. Ein Darlehen von 5.000 Euro mit einer Laufzeit von 24 Monaten wird bereits ab einem Zinssatz von 2,69 Prozent angeboten.

Eine echte Alternative stellt der Rahmenkredit dar. Hierbei wird ebenfalls ein fester Kreditrahmen vereinbart, der je nach Bonität um einiges höher sein kann als beim Dispo. Je nach Bank werden Rahmenkredite mit einem Betrag von 25.000 Euro oder höher angeboten. Hierbei muss nicht zwangsläufig ein Girokonto bei derselben Bank vorhanden sein. Die Zinsen sind niedriger als beim Dispo und werden ebenfalls nur für den in Anspruch genommenen Betrag berechnet.

Die Kreditkarte kann ebenfalls für einen kurzfristigen Finanzbedarf genutzt werden. Zu beachten ist hierbei, dass bei Nutzung der Teilzahlungsfunktion teilweise sehr hohe Zinsen berechnet werden. Im Gegenzug erhalten Karteninhaber bei einigen Anbietern einen zinslosen Kredit von bis zu 60 Tagen. Zudem verfügt nicht jede Karte über eine echte Kreditfunktion. Bei sogenannten Charge-Karten werden die Umsätze zum Monatsende eingezogen. Ist keine ausreichende Deckung vorhanden fallen auch hierbei hohe Kosten an