Eine Kündigung ist schnell ausgesprochen, manchmal vielleicht auch zu schnell. Gerade beim Girokonto sind Probleme vorprogrammiert, wenn der Schlussstrich unüberlegt und übereilt gezogen wird. Denn viele Zahlungsvorgänge sind fest an die Bankverbindung geknüpft und würden nach der Kündigung ins Leere laufen. Deshalb gilt es, erst die neuen Weichen zu stellen, ehe die Tür endgültig geschlossen wird.

Vor Girokonto Kündigung: Daueraufträge und Lastschriftvereinbarungen

Stempel mit neuer KontonummerDas betrifft in erster Linie Daueraufträge, die eingerichtet wurden, und Lastschriftvereinbarungen mit Versorgern, Versandhäusern oder Mobilfunkunternehmen. Wir empfehlen, anhand der vorliegenden Kontoauszüge eine Liste aller Zahlungspartner zu erstellen. Dafür sollten die Papiere von mindestens zwölf Monaten durchforstet werden, um nichts zu übersehen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang vor allem regelmäßig wiederkehrende Zahlungen wie die Miete, die Abschläge für Strom und Gas, Telefon, Versicherungen, Internet und Handy.
Handelt es sich um Daueraufträge, lassen sie sich problemlos online oder schriftlich bei der alten Bank stornieren, sollten gleichzeitig aber beim neuen Kreditinstitut wieder eingerichtet werden. Nur so ist ein reibungsloser Übergang gewährleistet. Beim Lastschriftverfahren ist etwas mehr Arbeit erforderlich: Die Unternehmen müssen über die neue Kontonummer und Bankleitzahl informiert werden. Dafür stellen viele Banken Formulare zur Verfügung oder übernehmen diese Aufgabe im Rahmen eines Umzugsservice. Ehe nicht alle Zahlungen auf die neue Bankverbindung umgestellt sind, darf das bestehende Girokonto nicht gekündigt werden. Je nach Unternehmen kann das mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Notfalls muss mehrmals nachgefragt werden.

Zahlungseingänge und Referenzkonto müssen angepasst werden

Ebenso wichtig sind die Zahlungseingänge. Angestellte und Arbeiter, kurzum Arbeitnehmer, müssen ihrem Arbeitgeber die neue Kontonummer mitteilen, damit das Gehalt auf das richtige Konto überwiesen wird. Rentnerinnen und Rentner wenden sich an die für sie zuständige Rentenkasse. Geht es um Sozialleistungen, ist die Information an die entsprechenden Ämter bzw. Behörden zu richten. Selbstständige und Unternehmer wiederum sind gut beraten, ihre Geschäftspartner rechtzeitig auf die neue Bankverbindung aufmerksam zu machen. Wer weitere Einnahmen wie zum Beispiel Miete oder Pacht erzielt, muss ebenfalls früh genug aktiv werden, damit die Zahlungen auch weiterhin ankommen.
Der nächste Aspekt: die Geldanlage. Oftmals ist das Girokonto als Referenzkonto für Tagesgeld, Festgeld oder aber ein Depot hinterlegt. Auch diese Verknüpfung gilt es zu lösen und durch eine neue zu ersetzen. Sofern das Giro- und das Tagesgeldkonto eine Einheit bilden, es sich also um ein Kombinationsangebot Ihres bisherigen Anbieters handelt, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als auch für eine neue Tagesgeldanlage zu sorgen. Jeder dieser Punkte gehört auf die Liste und sollte abgehakt werden, sobald die Umstellung erfolgt ist.

Girokonto Kündigung

Das Ziel dieser Maßnahmen lautet schlichtweg, den Zahlungsfluss auf dem Girokonto „trockenzulegen“ und dafür zu sorgen, dass keinerlei Buchungen mehr erfolgen. Sobald dieser Status erreicht ist, steht der Kündigung nichts mehr im Weg. Üblich ist, dass die Bankverbindung schriftlich gekündigt werden muss – die Adresse findet sich auf der Internetseite der jeweiligen Bank. Dazu reicht ein formloses Schreiben mit Verweis auf die Kontonummer und die Kundennummer. Ohne diese Information wäre es für die Bank nahezu unmöglich, den Kündigungswunsch zuzuordnen. In dem Schreiben sollte zudem um eine Bestätigung der Kündigung gebeten werden. Hier ein einfaches Muster:
Betr.: Kontonummer 12345678 / Kundennummer A12345678
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
hiermit kündige ich mein/unser Girokonto zu sofort. Bitte bestätigen Sie mir/uns die Kündigung schriftlich.
 
Mit freundlichen Grüßen
Max Kontoinhaber
Befindet sich noch ein Restguthaben auf dem Girokonto, kann es vorher auf das neue Konto umgebucht werden. Sofern noch Schulden zu tilgen sind – Stichwort Dispositionskredit –, verlangt die Bank den sofortigen Ausgleich samt Zinsen. Das sollte bereits vorab erledigt werden. Denn nur, wenn das Konto im Haben ist oder auf 0,00 Euro steht, wird die Kündigung auch ausgeführt.

Mit der Kündigung lieber etwas länger warten

Dass wir so ausführlich auf das Thema Girokonto kündigen eingehen, wenngleich es technisch ein eher simpler Vorgang ist, kommt nicht von ungefähr. Viele Verbraucher übersehen schlichtweg, dass ein Konto das Kernstück der eigenen Finanzverwaltung darstellt. Hier einen Schnitt vorzunehmen, ohne vorher zu planen, hat Konsequenzen: Gehaltszahlungen werden möglicherweise nicht mehr gebucht oder Lastschriften nicht ausgeführt. Das führt gerade bei Versicherungen zu massivem Ärger, weil der Versicherungsschutz nur gewährt wird, wenn die Beiträge pünktlich gezahlt werden. Von daher unser Rat: Lieber etwas mehr Zeit für die Kündigung einplanen und dafür auf der sicheren Seite sein.
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Bild: © Thorben Wengert – fotolia.com